Series "Kritisch Reisen: Jakobsweg ↦ Ich bin dann mal anstehen — Season 1 Episode 35 (2026)"
Title
Kritisch Reisen: Jakobsweg ↦ Ich bin dann mal anstehen — Season 1 Episode 35 (2026)
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Er gehört zu den bedeutendsten Pilgerwegen der Welt. Und die ganze Welt ist auf ihm unterwegs: der Jakobsweg. Seitdem Hape Kerkeling mal weg war, hat sich der Strom der Pilger verfünffacht, zur Hauptsaison kommen mittlerweile Tag für Tag 5000 Pilger am Grab des heiligen Jakobus in Santiago de Compostela an: "Ich kann das Klackern der Wanderstöcke auf dem Asphalt nicht mehr hören," sagt Montserat Vilar, die sich in einer Nachbarschaftsinitiative engagiert. Viele Anwohner ärgern sich über grölende Gruppen, stinkende Funktionskleidung, die in der Altstadt zum Trocknen ausgebreitet wird oder Badende im Barockbrunnen. Das Problem beginnt in Sarria, 117 Kilometer östlich von Santiago de Compostela. Hier starten die meisten Pilger, denn sie müssen mindestens 100 Kilometer gewandert sein, um die begehrte Pilgerurkunde zu bekommen. Als Sigrid Möricke (62) in Sarria ankommt, hat sie bereits gut 600 Kilometer auf dem Buckel. Sie geht den Pfad aus spirituellen Gründen. "Bis Sarria war ich oft völlig alleine unterwegs", sagt sie. Jetzt aber findet sie sich zwischen jungen Menschen, die ihren Rucksack von einem Gepäckservice transportieren lassen, laut Musik hören oder Videos für Social Media machen. Freizeittourismus, findet Sigrid Möricke. Wenn die Pilger an der Kathedrale in Santiago der Compostela ankommen, fallen sich viele weinend in die Arme, skandieren Schlachtrufe, ziehen ihre Schuhe aus. All das betrachtet Bürgermeisterin Goretti Sanmartín vom Rathaus gegenüber. Sie möchte, dass sich etwas ändert in ihrer Stadt. "Wir wollen hin zu einem qualitativen Tourismusmodell, das vor allem Menschen wertschätzt, die hier mehrere Tage verbringen und unsere Kultur kennenlernen möchten und die nicht nur ein paar Runden um die Kathedrale drehen, ein Souvenir kaufen und wieder abreisen." Die mächtige Regionalregierung Galiziens dagegen findet: Je mehr, desto besser - davon würde die Region doch enorm profitieren. Das bringt etliche Einwohner Santiago de Compostelas auf die Palme.